Auf der Wartburg, in wenigen Wochen, übersetzte ein geächteter Mönch das Neue Testament ins Deutsche – und veränderte damit Glaube, Sprache und Kultur. Hier erfährst du, wie Martin Luthers Bibelübersetzung entstand, was sie so besonders macht und warum es heute mehrere „Lutherbibeln“ gibt.
Die Wartburg: das Neue Testament in elf Wochen
Nach dem Reichstag zu Worms 1521 stand Luther unter der Reichsacht. Sein Landesherr ließ ihn zum Schein entführen und auf der Wartburg bei Eisenach verstecken. Dort, als „Junker Jörg“ getarnt, übersetzte Luther das Neue Testament aus dem Griechischen – in etwa elf Wochen. Als Grundlage diente ihm die griechische Textausgabe des Humanisten Erasmus von Rotterdam.
Im September 1522 erschien der Druck, deshalb heißt er „Septembertestament“. Die erste Auflage war schnell vergriffen.
Die ganze Bibel 1534
Das Alte Testament übersetzte Luther nicht allein, sondern mit Kollegen aus Wittenberg, etwa Philipp Melanchthon und Johannes Bugenhagen. Die Arbeit am hebräischen Text dauerte Jahre. 1534 erschien die vollständige Bibel, bis zu Luthers Tod 1546 überarbeitete er sie immer wieder; die Ausgabe von 1545 gilt als letzte, die er selbst betreute.
War Luther der Erste?
Nein. Es gab schon vorher gedruckte deutsche Bibeln, etwa die Mentelin-Bibel von 1466. Sie übersetzten allerdings aus der lateinischen Vulgata und klangen schwerfällig. Luther übersetzte aus den Grundsprachen – und in einer Sprache, die die Menschen tatsächlich sprachen.
„Dem Volk aufs Maul schauen“
In seinem „Sendbrief vom Dolmetschen“ (1530) erklärte Luther sein Vorgehen: Man müsse die Mutter im Haus, die Kinder auf der Gasse und den einfachen Mann auf dem Markt fragen und ihnen „auf das Maul sehen“, wie sie reden. Daraus wurde das bekannte Schlagwort „dem Volk aufs Maul schauen“.
Luther wollte also nicht Wort für Wort übersetzen, sondern so, dass der Sinn im Deutschen lebendig wird – ohne dabei den Text zu verbiegen.
Luthers Einfluss auf die deutsche Sprache
Die Lutherbibel wurde millionenfach gelesen und prägte eine gemeinsame deutsche Schriftsprache. Viele Redewendungen gehen auf sie zurück, etwa „sein Licht unter den Scheffel stellen“ (Matthäus 5: 15), „ein Buch mit sieben Siegeln“ (Offenbarung 5: 1) oder „Perlen vor die Säue werfen“ (Matthäus 7: 6).
Die Revisionen: von 1545 bis 2017
| Jahr | Revision | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1545 | Letzte Ausgabe zu Luthers Lebzeiten | Grundlage aller späteren Fassungen |
| 1892 | Erste kirchenamtliche Revision | Vereinheitlichung für die evangelischen Kirchen |
| 1912 | Revision | Gemeinfrei – die Fassung, die wir auf DieBibelHeute.de zitieren |
| 1956–1984 | Neue Revision in Etappen | Sprachliche Modernisierung; 1984 abgeschlossen |
| 2017 | Revision zum Reformationsjubiläum | Aktueller Text; näher an Luthers Sprache und am Forschungsstand |
Mehr zur aktuellen Ausgabe: Lutherbibel 2017 im Porträt.
Ein Vers, wie Luther ihn geprägt hat
Sintemal darin offenbart wird die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben steht: "Der Gerechte wird seines Glaubens leben."
An diesem Vers entdeckte Luther, dass Gottes Gerechtigkeit ein Geschenk ist, das man im Glauben empfängt. Diese Einsicht wurde zum Kern der Reformation – und erklärt, warum ihm eine verständliche Bibel für alle so wichtig war.
Häufige Fragen
Wann übersetzte Luther die Bibel?
Das Neue Testament 1521/22 auf der Wartburg (gedruckt September 1522), die ganze Bibel erschien 1534.
Aus welcher Sprache übersetzte Luther?
Aus den Grundsprachen: das Neue Testament aus dem Griechischen, das Alte aus dem Hebräischen.
Was bedeutet „dem Volk aufs Maul schauen“?
Luther wollte so übersetzen, wie die Menschen im Alltag wirklich sprachen, damit jeder die Bibel verstehen konnte.
Welche Lutherbibel ist die aktuelle?
Die Revision von 2017.
Weiter: Lutherbibel 2017 im Porträt · Welche Bibelübersetzung passt zu mir? · Der Römerbrief.