Die Psalmen sind das Gebet- und Liederbuch der Bibel. In ihnen jubeln, klagen, danken, zweifeln und hoffen Menschen – in einer Sprache, die bis heute berührt. Wer nicht weiß, wie man betet, findet in den Psalmen Worte für jede Lebenslage. Kein anderes Buch des Alten Testaments wird so oft gelesen.
Die Psalmen im Überblick
Das Buch der Psalmen umfasst 150 einzelne Psalmen. Sie sind in fünf „Bücher“ gegliedert, die jeweils mit einem Lobpreis enden – vermutlich als Entsprechung zu den fünf Büchern Mose.
Die Psalmen sind Poesie. Typisch ist der Parallelismus: Ein Gedanke wird in der zweiten Zeile wiederholt, erweitert oder kontrastiert. Diese Form lässt sich auch in Übersetzungen gut erkennen.
Wer hat das Buch geschrieben?
Viele Psalmen tragen Überschriften, die einen Verfasser nennen. Am häufigsten wird David genannt (73-mal nach hebräischer Zählung). Weitere Namen sind Asaf, die Söhne Korach, Salomo, Heman, Etan und Mose (Psalm 90). Etwa ein Drittel der Psalmen ist anonym.
Die Überschriften sind teilweise später hinzugefügt worden. Sie zeigen aber, dass die Psalmen mit Menschen und Lebensgeschichten verbunden wurden.
Wann ist es entstanden?
Die Psalmen sind über viele Jahrhunderte entstanden – von der Königszeit (ab etwa 10. Jahrhundert v. Chr.) bis in die Zeit nach dem Exil. Die Sammlung in ihrer heutigen Form wurde vermutlich im 4.–3. Jahrhundert v. Chr. abgeschlossen.
Historischer Hintergrund
Viele Psalmen wurden im Tempel in Jerusalem gesungen, oft mit Instrumenten. Andere entstanden als persönliche Gebete in Krankheit, Verfolgung oder Schuld. Die Wallfahrtslieder (Psalm 120–134) sangen Pilger auf dem Weg nach Jerusalem.
Jesus kannte und betete die Psalmen. Am Kreuz betete er Psalm 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Worum geht es in den Psalmen?
Die Psalmen decken die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle ab. Die Sammlung ist in fünf Bücher gegliedert. Welche Arten von Psalmen es gibt – Lob, Klage, Dank, Vertrauen, Weisheit, Buße –, zeigt die Liste weiter unten.
| Kapitel | Inhalt |
|---|---|
| Buch I: 1–41 | viele Davidpsalmen, persönliche Klage und Vertrauen (z. B. Psalm 23) |
| Buch II: 42–72 | Korach- und Davidpsalmen (z. B. Psalm 46, 51) |
| Buch III: 73–89 | Asafpsalmen, Ringen mit Leid und Gottes Treue |
| Buch IV: 90–106 | Gott als König, Mosepsalm 90, Psalm 91 und 103 |
| Buch V: 107–150 | Dank, Wallfahrtslieder, Psalm 119 und 139, großes Halleluja |
Wichtige Personen
- David – Hirte, Musiker und König, dem die meisten Psalmen zugeschrieben werden
- Asaf – Sänger und Musiker am Tempel
- Die Söhne Korach – eine Gruppe von Tempelsängern
- Salomo – Davids Sohn, genannt bei Psalm 72 und 127
- Mose – als Verfasser von Psalm 90 genannt
Wichtige Ereignisse und Texte
- Loblieder preisen Gott als Schöpfer und König (z. B. Psalm 8, 103, 150).
- Klagelieder bringen Not und Verzweiflung vor Gott (z. B. Psalm 13, 22, 88).
- Danklieder erzählen von erfahrener Rettung (z. B. Psalm 30, 116).
- Vertrauenspsalmen drücken Geborgenheit aus (z. B. Psalm 23, 91, 121).
- Weisheitspsalmen fragen nach dem guten Leben (z. B. Psalm 1, 119).
- Bußpsalmen bitten um Vergebung (z. B. Psalm 51).
Die zentrale Botschaft
Die Psalmen zeigen: Vor Gott darf alles ausgesprochen werden – Jubel und Wut, Dank und Zweifel. Sie lehren eine Frömmigkeit, die ehrlich ist. Viele Klagepsalmen beginnen in der Tiefe und enden im Vertrauen, ohne dass sich die äußere Lage schon geändert hätte.
Schlüsselstellen
Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Der bekannteste Psalm überhaupt – ein Bild von Fürsorge und Geborgenheit.
1 Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, da die Spötter sitzen, 2 sondern hat Lust zum Gesetz des HERRN und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht! 3 Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht; und was er macht, das gerät wohl.
Der Eingang zum Psalter: Glück liegt in der Nähe zu Gottes Weisung.
Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja!
Das letzte Wort des Psalters ist ein Aufruf zum Lob.
Was das Buch heute bedeutet
Die Psalmen sind bis heute das Gebetbuch von Juden und Christen. In Klöstern werden sie täglich gebetet, in Gottesdiensten gesungen, bei Beerdigungen gelesen.
Für den persönlichen Einstieg eignen sich die Psalmen ideal: Sie sind kurz, können einzeln gelesen werden und geben Worte, wo die eigenen fehlen. Unser Leseplan „Psalmen in 30 Tagen“ hilft beim Einstieg.
Häufige Fragen
Wie viele Psalmen gibt es?
Die Bibel enthält 150 Psalmen, gegliedert in fünf Bücher.
Welcher ist der längste und der kürzeste Psalm?
Der längste ist Psalm 119 mit 176 Versen, der kürzeste Psalm 117 mit zwei Versen.
Hat David alle Psalmen geschrieben?
Nein. David wird bei vielen Psalmen genannt, aber auch Asaf, die Söhne Korach, Salomo, Mose und andere. Viele Psalmen sind anonym.
Welcher Psalm hilft in schweren Zeiten?
Oft gelesen werden Psalm 23, 46, 91, 121 und 139. Zu mehreren davon findest du bei uns ausführliche Erklärungen.
Erklärungen einzelner Psalmen: Psalm 23, Psalm 91, Psalm 139 und Psalm 46. Leseplan: Psalmen in 30 Tagen.